Elektro gegen Benziner: Fährt das E-Auto wirklich günstiger?
Ein Elektroauto braucht kein Benzin, keinen Ölwechsel und zahlt derzeit keine Kfz-Steuer. Trotzdem ist es nicht automatisch die günstigere Wahl. Der Kaufpreis liegt häufig höher, öffentliches Schnellladen kann teuer werden und der Wertverlust fällt bei manchen Modellen kräftig aus.

Ob sich ein E-Auto finanziell lohnt, hängt vor allem von drei Fragen ab: Wo wird geladen? Wie viele Kilometer werden im Jahr gefahren? Und wie groß ist der Preisunterschied beim Kauf?
Wir rechnen nach.
Der direkte Vergleich auf 100 Kilometer
Für die Beispielrechnung treten zwei ähnlich große Autos gegeneinander an:
Elektroauto mit 18 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer
Benziner mit 6,5 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer
Haushaltsstrom für 37 Cent je kWh
öffentliches Laden für 52 Cent je kWh
Schnellladen für 60 Cent je kWh
Superbenzin für 1,80 Euro je Liter
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW bei rund 37 Cent je Kilowattstunde. Preise an öffentlichen Ladesäulen unterscheiden sich je nach Betreiber, Tarif und Ladeleistung erheblich.
Antrieb und Ladeart | Kosten auf 100 km | Kosten bei 15.000 km |
E-Auto zu Hause | 6,66 Euro | 999 Euro |
E-Auto öffentlich | 9,36 Euro | 1.404 Euro |
E-Auto am Schnelllader | 10,80 Euro | 1.620 Euro |
Benziner | 11,70 Euro | 1.755 Euro |
Wer überwiegend zu Hause lädt, spart in diesem Beispiel rund 756 Euro pro Jahr gegenüber dem Benziner. Bei öffentlichem Laden schrumpft der Vorteil auf 351 Euro. Wird fast ausschließlich teuer am Schnelllader geladen, bleiben nur noch 135 Euro Unterschied.
Damit steht der wichtigste Punkt fest: Nicht das Elektroauto allein entscheidet über die Ersparnis. Der Ladeort entscheidet mit.
Zu Hause laden: Hier spielt das E-Auto seine Stärke aus
Eine eigene Wallbox verändert die Rechnung deutlich. Das Auto kann nachts oder zu günstigen Zeiten geladen werden. Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage besitzt, senkt seine Ladekosten möglicherweise noch weiter.
Bei einem Strompreis von 30 Cent und einem Verbrauch von 18 kWh kosten 100 Kilometer nur 5,40 Euro. Bei 15.000 Kilometern entstehen jährliche Stromkosten von 810 Euro.
Der vergleichbare Benziner kommt in unserer Rechnung auf 1.755 Euro. Der Unterschied beträgt damit 945 Euro pro Jahr.
Eine Wallbox verursacht allerdings Anschaffungs- und Installationskosten. Je nach Gebäude, Leitungsweg und technischer Ausstattung können daraus mehrere Hundert oder auch einige Tausend Euro werden. Diese Ausgabe gehört in eine ehrliche Kostenrechnung.
Öffentlich laden: Der Preisvorteil wird kleiner
Wer weder zu Hause noch am Arbeitsplatz laden kann, ist auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Dort unterscheiden sich die Preise stark. Manche Tarife benötigen eine monatliche Grundgebühr. Andere rechnen ohne Vertrag zu höheren Preisen ab.
Besonders teuer kann spontanes Schnellladen an der Autobahn werden. Bei 70 oder 80 Cent pro Kilowattstunde kann ein sparsamer Benziner bei den reinen Energiekosten ähnlich günstig oder sogar günstiger fahren.
Beispiel mit 75 Cent je Kilowattstunde:
18 kWh × 0,75 Euro = 13,50 Euro auf 100 Kilometer
Der Benziner aus unserer Rechnung kostet 11,70 Euro auf 100 Kilometer. Das E-Auto wäre in diesem Fall beim Energieverbrauch 1,80 Euro teurer.
Wer ein Elektroauto kaufen möchte, sollte deshalb vorher die verfügbaren Ladesäulen und Tarife am Wohnort prüfen. Die Lademöglichkeit ist wichtiger als die theoretische Reichweite im Prospekt.
Wie hoch ist der tatsächliche Verbrauch?
Die offiziellen Verbrauchswerte werden unter festgelegten Bedingungen ermittelt. Im Alltag können sie abweichen.
Ein Elektroauto verbraucht im Winter häufig mehr Strom. Heizung, kalte Batterie und ungünstige Straßenverhältnisse erhöhen den Bedarf. Auf schnellen Autobahnfahrten steigt der Verbrauch ebenfalls deutlich.
Auch ein Benziner benötigt bei Kälte, kurzen Strecken und hohem Tempo mehr Kraftstoff. Der Unterschied liegt darin, dass sich der Mehrverbrauch beim Elektroauto stärker auf die Reichweitenanzeige auswirkt.
Für eine persönliche Rechnung sollte nicht nur der Prospektwert verwendet werden. Aussagekräftiger sind unabhängige Tests oder Erfahrungswerte für das konkrete Modell.
Wartung: Das E-Auto braucht weniger Verschleißteile
Ein Elektroauto besitzt keinen klassischen Verbrennungsmotor. Viele Bauteile entfallen:
Motoröl und Ölfilter
Zündkerzen
Auspuffanlage
Zahnriemen
Kupplung
Kraftstofffilter
zahlreiche bewegliche Motorteile
Das kann Wartungs- und Reparaturkosten senken. Auch die Bremsbeläge halten häufig länger, weil das Fahrzeug einen Teil seiner Geschwindigkeit über den Elektromotor abbaut und dabei Energie zurückgewinnt.
Wartungsfrei ist ein E-Auto trotzdem nicht. Reifen, Bremsen, Fahrwerk, Klimaanlage, Kühlmittel, Scheibenwischer und die normale Fahrzeugelektronik bleiben erhalten.
Das höhere Fahrzeuggewicht und das starke Drehmoment können den Reifenverschleiß erhöhen. Wer häufig kräftig beschleunigt, benötigt möglicherweise früher einen neuen Satz Reifen.
Ist die Batterie ein finanzielles Risiko?
Die Hochvoltbatterie ist das teuerste Einzelteil eines Elektroautos. Ein kompletter Austausch kann sehr hohe Kosten verursachen. Solche Totalausfälle sind jedoch nicht der normale Verlauf.
Aktuelle Batteriedaten zeigen, dass viele moderne Elektroautos nach 150.000 Kilometern noch ungefähr 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität besitzen. Die Batterie verliert also langsam Reichweite, fällt aber nicht automatisch nach acht oder zehn Jahren aus.
Viele Hersteller gewähren acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie auf den Akku. Häufig greift die Garantie, wenn die nutzbare Kapazität innerhalb dieses Zeitraums unter 70 Prozent sinkt. Die Bedingungen unterscheiden sich jedoch.
Bei einem gebrauchten Elektroauto sollte deshalb ein unabhängiger Batterietest verlangt werden. Alter und Kilometerstand allein sagen nicht genau, wie gut der Akku noch ist.
Kfz-Steuer: Vorteil für reine Elektroautos
Reine Elektroautos, die bis Ende 2030 erstmals zugelassen werden, können weiterhin von der Kfz-Steuer befreit werden. Die Befreiung gilt höchstens zehn Jahre und längstens bis Ende 2035.
Ein Anfang 2026 zugelassenes Elektroauto kann damit neun Jahre steuerfrei bleiben. Für einen Benziner wird die Steuer anhand von Hubraum und CO₂-Ausstoß berechnet.
Je nach Modell spart ein Elektroauto dadurch häufig einen Betrag im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich pro Jahr. Plug-in-Hybride gelten steuerlich nicht als reine Elektroautos und erhalten diese vollständige Befreiung nicht.
Versicherung: Hier gibt es keinen eindeutigen Sieger
Bei der Versicherung zählt nicht nur die Antriebsart. Entscheidend sind Typklasse, Regionalklasse, Fahrerkreis, Schadenfreiheitsrabatt und gewünschter Versicherungsschutz.
Ein Elektroauto kann günstiger versichert sein als ein vergleichbarer Benziner. Es kann aber auch teurer werden, wenn Reparaturen an Batterie, Sensoren oder Karosserie hohe Kosten verursachen.
Vor dem Kauf sollte für beide Modelle ein konkretes Versicherungsangebot eingeholt werden. Eine pauschale Aussage wie „E-Autos sind immer günstiger versichert“ wäre falsch.
Anschaffungspreis: Der Benziner startet häufig günstiger
Viele Elektroautos kosten beim Kauf mehr als ein vergleichbarer Benziner. Selbst wenn das E-Auto jährlich 700 oder 1.000 Euro bei Energie, Wartung und Steuer spart, muss der höhere Kaufpreis erst wieder hereingeholt werden.
Kostet das Elektroauto beispielsweise 5.000 Euro mehr und spart jedes Jahr 1.000 Euro, dauert es rechnerisch fünf Jahre, bis der Preisunterschied ausgeglichen ist.
Finanzierungskosten verändern diese Rechnung. Wer für den höheren Kaufpreis einen größeren Kredit benötigt, zahlt auch mehr Zinsen.
Bei Gebrauchtwagen kann es anders aussehen. Der starke Wertverlust einiger Elektroautos hat die Preise deutlich gedrückt. Ein gebrauchtes E-Auto kann dadurch preislich auf dem Niveau eines vergleichbaren Benziners liegen. In diesem Fall wirken sich die niedrigeren laufenden Kosten schneller aus.
Wertverlust: Oft der größte Kostenpunkt
Beim Autokauf schauen viele Menschen zuerst auf Strom- und Benzinkosten. Der größte Kostenpunkt ist jedoch häufig der Wertverlust.
Verliert ein Fahrzeug in vier Jahren 12.000 Euro an Wert, entspricht das 3.000 Euro pro Jahr. Dagegen wirken selbst mehrere Hundert Euro Ersparnis beim Laden klein.
Der Wertverlust von Elektroautos lässt sich schwerer vorhersagen. Neue Batterietechnik, höhere Reichweiten und sinkende Neuwagenpreise können ältere Modelle schnell unattraktiver machen. Gleichzeitig steigt das Interesse an bezahlbaren gebrauchten E-Autos.
Ein günstiger Kaufpreis schützt besser vor hohem Wertverlust als jede Antriebsart. Wer ein stark rabattiertes oder bereits gebrauchtes Fahrzeug kauft, trägt häufig ein geringeres finanzielles Risiko.
Rechenbeispiel über fünf Jahre
Nehmen wir zwei vergleichbare Autos mit einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr.
Das Elektroauto wird überwiegend zu Hause geladen und spart jährlich etwa 756 Euro bei den Energiekosten. Dazu kommen beispielhaft 150 Euro weniger Kfz-Steuer und 250 Euro niedrigere Wartungskosten.
Die jährliche Ersparnis beträgt damit rund 1.156 Euro.
Über fünf Jahre ergibt das etwa 5.780 Euro. Kostet das Elektroauto beim Kauf 4.000 Euro mehr, könnte es seinen höheren Preis in diesem Beispiel ausgleichen.
Liegt der Aufpreis jedoch bei 9.000 Euro, reicht die laufende Ersparnis innerhalb von fünf Jahren nicht aus. Kommt teures öffentliches Laden hinzu, verschiebt sich die Rechnung noch stärker zugunsten des Benziners.
Wann fährt das Elektroauto günstiger?
Das E-Auto hat finanziell gute Chancen, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz ist möglich
der Strompreis liegt deutlich unter den öffentlichen Schnellladepreisen
jährlich werden viele Kilometer gefahren
der Kaufpreis liegt nahe am vergleichbaren Benziner
das Fahrzeug wird mehrere Jahre gehalten
ein gebrauchtes Modell mit geprüftem Akku wird gekauft
eine Photovoltaikanlage liefert einen Teil des Ladestroms
niedrige Wartungs- und Steuerkosten werden tatsächlich genutzt
Je höher die jährliche Fahrleistung, desto stärker wirken sich günstige Energiekosten aus.
Wann kann der Benziner günstiger bleiben?
Ein Benziner kann finanziell sinnvoller sein, wenn das Auto nur selten gefahren wird, der Kaufpreis deutlich niedriger liegt oder fast ausschließlich teuer öffentlich geladen werden müsste.
Auch für Menschen, die regelmäßig sehr lange Strecken ohne planbare Ladepausen zurücklegen, kann der Benziner praktischer sein. Der finanzielle Vorteil hängt dann nicht nur vom Verbrauch ab, sondern auch vom persönlichen Zeitaufwand und der verfügbaren Ladeinfrastruktur.
Wer jährlich nur 5.000 Kilometer fährt, spart bei den Energiekosten wesentlich weniger als ein Pendler mit 25.000 Kilometern. Ein hoher Aufpreis für das Elektroauto lässt sich bei geringer Fahrleistung nur langsam ausgleichen.
Die einfache Formel für den eigenen Vergleich
Die Energiekosten lassen sich schnell selbst berechnen.
Beim Elektroauto:
Verbrauch in kWh × Strompreis ÷ 100 = Kosten pro Kilometer
Beim Benziner:
Verbrauch in Litern × Benzinpreis ÷ 100 = Kosten pro Kilometer
Für die jährlichen Kosten wird das Ergebnis mit der persönlichen Kilometerleistung multipliziert.
Beispiel E-Auto:
18 kWh × 0,37 Euro = 6,66 Euro je 100 Kilometer
Beispiel Benziner:
6,5 Liter × 1,80 Euro = 11,70 Euro je 100 Kilometer
Für einen realistischen Gesamtvergleich müssen anschließend Kaufpreis, Finanzierung, Versicherung, Steuer, Wartung und erwarteter Wertverlust ergänzt werden.
Der Ladeort entscheidet über die Rechnung
Ein zu Hause geladenes Elektroauto fährt bei den reinen Energiekosten meist deutlich günstiger als ein vergleichbarer Benziner. Wer hauptsächlich öffentliche Schnelllader nutzt, verliert einen großen Teil dieses Vorteils.
Ob das E-Auto am Ende wirklich weniger kostet, entscheidet sich nicht allein an der Ladesäule. Kaufpreis und Wertverlust können mehrere Jahre Stromersparnis aufzehren. Deshalb sollte immer das konkrete Elektroauto mit einem ähnlich großen und ähnlich ausgestatteten Benziner verglichen werden.
Für Pendler mit günstiger Lademöglichkeit kann das E-Auto finanziell klar vorne liegen. Bei geringer Fahrleistung, hohem Anschaffungspreis und teurem öffentlichem Laden bleibt der Benziner möglicherweise die günstigere Wahl.




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